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Der Erreger der Tetanus-Erkrankung ist ein Bakterium (Clostridium tetani), das sich nur unter Ausschluß von Sauerstoff vermehren kann.
Voraussetzung für die Infektion ist eine Wunde. Tetanus kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Somit gibt es auch keine Herdenimmunität durch die Impfung.
In der Regel gelangen bei einer Verletzung die Sporen (kleine Einheiten) des Bakteriums meist durch Fremdkörper (z.B. rostiger Nagel) unter die Haut in tiefere Gewebsschichten ohne Sauerstoff.
Es gibt verschiedene Tetanusformen. Die häufigste Erkrankung ist der Neugeborenentetanus, der aufgrund mangelnder Hygiene über den Nabel des Säuglings als Eintrittspforte entsteht und in Entwicklungsländern mit fehlender medizinischer Versorgung zu finden ist. In Deutschland ist diese Form seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten.
Tetanus ist eine der wenigen Erkrankungen mit der Möglichkeit einer Impfung, für die keine bundesweite Meldepflicht besteht. Somit fehlen belastbare Daten zur Häufigkeit. Über die Statistik der Krankenhauspatienten läßt sich feststellen, dass in den letzten Jahren nicht mehr als 15 Patienten pro Jahr mit einer Tetanusdiagnose behandelt wurden. Seit Jahren gibt es keine Todesfälle unter den 35-Jährigen aufgrund von Tetanus.
Der Tetanusimpfstoff enthält das inaktivierte Toxin des Bakteriums und ist vielen Kombinationsimpfstoffen zugesetzt.
Die Wirksamkeit der Impfung kann nur über die Erfassung der Antikörpertiter vermutet werden.
Die STIKO empfiehlt Neugeborenen 3 Impfstoffdosen im 1. Lebensjahr als Grundimmunisierung zu verabreichen und dann noch 2 weitere, zu Schulbeginn und in der Jugend (9-16 Jahre), sowie anschließend in 10-jährigem Abstand.
Die WHO empfiehlt für einen vollständigen Schutz 6 Impfungen bis zum Erwachsenenalter und dann keine Weiteren.
In den Zulassungsstudien zeigen sich beeindruckend hohe Antikörperzahlen nach der Grundimmunisierung, die zum Teil ein Leben lang anhalten.
Die Datenlage ist also nicht eindeutig, die nationalen und internationalen Empfehlungen können kritisch hinterfragt werden.
Seit Mitte 2024 ist wieder ein Einzelimpfstoff aus Polen (Tetana) vom Paul-Ehrlich-Institut zugelassen, der jedoch nicht verfügbar ist. In der Regel wird daher ein Mehrfachimpfstoff verimpft. Dieser sollte, wie jede Impfung, wohlüberlegt und bewußt ausgewählt sein.
Wichtig bleibt bei Verletzungen die korrekte Wundversorgung und die ärztliche Kontrolle bei Bedarf.
Ob Kinder im 1.Lebensjahr in Deutschland von der Tetanusimpfung profitieren, ist fraglich. Die Impfnebenwirkungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Ich rate allen Eltern zu einer individuellen Impfberatung für ihr Kind, um zu einer guten Entscheidung zu kommen.
Bezüglich Tetanusimpfung bei älteren Kindern und Erwachsenen macht eine Impfberatung und ggf. eine Titerkontrolle Sinn.